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Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern

Dekanatsbezirk Rügheim

Evang.-Luth. Dekanat – Pfarrgasse 7 – 97461 Hofheim in Unterfranken

 

Impressum

Kurze Predigt zum Pfingst- Sonntag , 31/5/20

Apg 2, 1 - 21

Gnade sei mit euch, und Friede von Gott unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus.

Der Predigttext für heute steht in der Apostelgeschichte

im 2. Kapitel:

Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle beieinander an einem Ort. Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Sturm und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt und wie von Feuer, und setzten sich auf einen jeden von ihnen, und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen zu reden eingab.

Es wohnten aber in Jerusalem Juden, die waren gottesfürchtige Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. Als nun dieses Brausen geschah, kam die Menge zusammen und wurde verstört, denn ein jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden. Sie entsetzten sich aber, verwunderten sich und sprachen: Siehe, sind nicht diese alle, die da reden, Galiläer? Wie hören wir sie denn ein jeder in seiner Muttersprache?  …...  Wir hören sie in unsern Sprachen die großen Taten Gottes verkünden.

Sie entsetzten sich aber alle und waren ratlos und sprachen einer zu dem andern: Was will das werden? Andere aber hatten ihren Spott und sprachen: Sie sind voll süßen Weins.

Da trat Petrus auf mit den Elf, erhob seine Stimme und redete zu ihnen: Ihr Juden, und alle, die ihr in Jerusalem wohnt, das sei euch kundgetan, vernehmt meine Worte! Denn diese sind nicht betrunken, wie ihr meint, ist es doch erst die dritte Stunde des Tages; sondern das ist's, was durch den Propheten Joel gesagt worden ist (Joel 3,1-5):

"Und es soll geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, da will ich ausgießen von meinem Geist auf alles Fleisch; und eure Söhne und eure Töchter sollen weissagen, und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen, und eure Alten sollen Träume haben; und auf meine Knechte und auf meine Mägde will ich in jenen Tagen von meinem Geist ausgießen, und sie sollen weissagen. Und ich will Wunder tun oben am Himmel und Zeichen unten auf Erden, Blut und Feuer und Rauchdampf; die Sonne soll in Finsternis verwandelt werden und der Mond in Blut, ehe der große und herrliche Tag des Herrn kommt. Und es soll geschehen: Wer den Namen des Herrn anrufen wird, der soll gerettet werden."

 

Liebe Gemeinde,

Vor ein paar Jahren haben wir im Dekanat Rügheim unter der Überschrift „Gerne evangelisch!“ eine Reihe von Seminaren durchgeführt, bei denen wir aus den verschiedenen Kirchengemeinden erst die Kirchenvorsteher/innen eingeladen haben, dann Mitarbeitende aus den Besuchsdiensten, den Gottesdiensten und der Öffentlichkeitsarbeit. Bei allen Seminaren haben wir eine ähnliche Erfahrung gemacht: Die Teilnehmer/ innen haben sich zuerst gegenseitig erzählt, was ihrer Meinung nach nicht gut läuft und wo sie Defizite sehen. Aber dann, beim Erzählen und durch die Rückfragen und Reaktionen der Anderen, haben sie dann gemerkt, was es alles gibt in ihren Gemeinden was alles gut läuft und worauf sie stolz sein können. Wir haben gesehen und gehört, wie vielfältig und bunt das Gemeindeleben in den Kirchengemeinden unseres Dekanates eigentlich ist: Viele Gottesdienste, Aktivitäten und Veranstaltungen, zu denen die Menschen gerne kommen, und viele engagierte Helfer/ innen, die dabei gerne mitmachen. Bei den Visitationen, die wir in einigen Gemeinden durchgeführt haben, haben wir die gleiche Erfahrung wieder gemacht: Die Kirche Jesu Christi lebt, das Gemeindeleben blüht, manchmal mehr, manchmal weniger, aber: es blüht! Und ich bin sicher, auch die derzeitigen Einschränkungen und die sorgenvolle Stimmung in der Bevölkerung können das nicht kaputtmachen.

Warum das so ist, warum sich immer wieder Menschen begeistern lassen zum Dienst in der Gemeinde, und zum Besuch von kirchlichen Veranstaltungen, das hat einen weltlichen und einen geistlichen Grund.

Davon erzählt der Evangelist Lukas in seiner Apostelgeschichte gleich am Anfang im 2ten Kapitel. Er beschreibt, wie aus einem Häuflein verängstigter Jünger/innen eine starke Mannschaft von Aposteln wird, die „Kraft von oben“ bekommen und dann dafür sorgen, dass der christliche Glaube sich ausbreitet. An diesem Pfingsttag, so erzählt Lukas, löst Gott das Versprechen ein, das Jesus Christus vorher gegeben hat, und schickt ihnen seinen Heiligen Geist. Der kommt spektakulär: Mit einem Sturmbrausen und mit Feuerzungen, die sich auf die Apostel setzen. Und er bewirkt, dass die Apostel die frohe Botschaft von Jesus Christus weitererzählen können in einer Sprache, die die Menschen verstehen. Sie trauen sich, darüber zu sprechen, was sie mit Jesus erlebt haben, und finden dafür auch noch die richtigen Worte! Denn der Heilige Geist hilft ihnen dabei.

Und das tut er heute noch! Meistens nicht mehr so spektakulär wie damals, aber trotzdem kann man seine Wirkung spüren und erleben. Natürlich hat es auch rein „menschliche“, weltliche und gesellschaftliche Gründe, wenn Menschen sich in der Kirchengemeinde engagieren und zu den Gottesdiensten und Veranstaltungen kommen: Weil man so erzogen wurde, weil man es gewöhnt ist, weil man jemanden kennt, weil man Probleme hat, oder weil man sich verpflichtet fühlt. Aber hinter diesen weltlichen Gründen steht die Wirkung von Gottes Heiligem Geist. Er macht aus Gewohnheit einen festen Glauben, aus Bekanntschaft macht er christliche Gemeinschaft, aus Problemen und Sorgen macht er Vertrauen, und aus Pflichtgefühl macht er Hoffnung und Nächstenliebe. Und er sorgt dafür, dass alle ihren Fähigkeiten entsprechend eingesetzt werden und zum Gelingen beitragen.

Und in schweren Zeiten macht er uns Mut. So wie er damals den Jüngern/innen die Fähigkeit und den Mut gegeben hat, Jesus Christus als Gottes Sohn zu verkündigen. Sogar der Petrus, ein Fischer vom See Genezareth, ohne höhere Schulbildung, ein Mann aus der Provinz, traut sich mithilfe des Heiligen Geistes, in der Hauptstadt vor vielen Menschen eine Rede, eine Predigt zu halten. Zuerst wehrt er sich gegen den spöttischen Vorwurf, sie seien „voll des süßen Weines“. Wir sind nicht betrunken, es ist doch erst vormittags um 9°° Uhr, sagt er. So nach dem Motto: „Kein Bier vor vier!“ Und dann erklärt er das Geschehen. Was ihr hier erlebt, sagt er, ist die Erfüllung eines Versprechens aus dem Alten Testament, das schon der Prophet Joel im Namen Gottes gegeben hat: Gott wird sich durchsetzen in der Welt, sein Reich kommt, es hat mit Jesus Christus schon begonnen. Alle Generationen, „eure Jünglinge“ und „eure Alten“, und alle, die Gott dienen, „meine Knechte und meine Mägde“ dürfen dabei sein, werden aufgenommen in sein himmlisches Reich.

So war es damals, und so ist es heutzutage immer noch. Denn der Geist Gottes schenkt uns Menschen immer noch und immer wieder einen festen Glauben an Gott, und bewegt Menschen dazu, sich zu christlichen Gemeinden zu versammeln und Gottesdienste zu feiern.

Und wenn Sie, liebe Gemeinde, jetzt am Ende dieser Predigt das Gefühl haben, unserem Herrgott ein bisschen näher gekommen zu sein, dann hat genau das der Heilige Geist bewirkt!

 

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen! Amen.

 

Jürgen Blechschmidt,
Dekan